Des Kaisers stolze Flotte (22.04. - 14.10.2018)

Das Ende der kaiserlichen Flotte

Nach Ende der Kampfhandlungen 1918 wurde die deutsche Hochseeflotte gemäß den Waffenstillstandsbestimmungen im schottischen Scapa Flow (Orkneys) interniert.
Vergeblich hatten im Januar 1919 einige schon an den Matrosenaufständen von 1917 und 1918 beteiligte Kommunisten (u. a. Ernst Wollweber) versucht, die wichtigsten Kriegsschiffe in ihre Gewalt zu bringen und statt nach Großbritannien an Sowjetrussland auszuliefern. In Scapa Flow waren die Schiffe entwaffnet worden und nur mit Notbesatzungen besetzt. Als im Sommer 1919 die Bedingungen des Versailler Vertrages und die damit verbundene Ablieferung großer Teile der Flotte an die Siegermächte bekannt wurde, ließ Konteradmiral Ludwig von Reuter die unter seinem Kommando befindliche Hochseeflotte am 21. Juni 1919 versenken. Damit war der Kern der Kaiserlichen Marine zerstört. Mit der Selbstversenkung hatte die Marine zwar einen Teil des im Krieg und insbesondere während der Revolution verlorenen Ansehens zurückgewonnen, jedoch waren harte Konsequenzen zu tragen. Die Alliierten verlangten nicht nur die Übergabe anderer, zum Teil recht moderner Schiffe, die für die neue Reichsmarine hätten den Grundstock bilden sollen, sondern auch den größten Teil der noch bestehenden deutschen Handelsflotte.

Modellschiffe im Malhaus

Der Initiative einer Modellbaugruppe um Gerhard Amann aus Wasserburg ist es zu verdanken, dass die Sonderausstellung „Des Kaisers stolze Flotte“ in der Saison 2018 einem größeren Publikum präsentiert werden kann.
Neben 15 „großen“ Modellen (Maßstab 1:100)  und 10 kleineren Modellen (Maßstab 1:200) der Kaiserlichen Flotte zeigt Michael Gratza das Diorama einer kaiserlichen Schiffswerft.
Alle Modelle wurden in akribischer Feinarbeit hergestellt und sind normalerweise Schmuckstücke in den Wohnzimmern der hochseebegeisterten Protagonisten: Michael Gratza – Günther Hibelt – Walter Fellner und Gerhard Amann.
Nach der erfolgreichen Ausstellung „Kriegszeiten“ im Jahr 2014 anlässlich des Kriegsbeginns vor mehr als 100  Jahren, die ungeschönt die großen Verluste, Not und Elend der Bevölkerung in der Zeit zwischen 1914 und 1945 zu verdeutlichen suchte, ergänzen wir mit dieser Ausstellung einen Rückblick auf die Problematik der deutschen Flottenpolitik unter Kaiser Wilhelm II.
Die ungewöhnlichen Anstrengungen beim Ausbau der Kriegsflotte war nicht unwesentlich am Ausbruch kriegerischer Handlungen zwischen den Seemächten England und Deutschland beteiligt, wenngleich sich die Kämpfe auf hoher See verglichen mit dem verheerenden Stellungskrieg an Land, in Grenzen hielten.
Bezeichnenderweise brachte der Matrosenaufstand am Kriegsende 1918 in Kiel und die anschließende Revolution im November 1918 das Ende der Monarchie in Deutschland.
Kaiser Wilhelm II. und andere Monarchen des Reiches dankten ab.

Fridolin Altweck, Ortsheimatpfleger